ITIL® 5 repräsentiert die neueste Entwicklungsstufe des weltweit am häufigsten verwendeten Frameworks für Service Management. Es baut auf den bewährten Konzepten von ITIL® 4 auf, erweitert diese jedoch signifikant um einen integrierten und zeitgemäßen Ansatz für das sogenannte „Digital Product and Service Management“ (DPSM). Diese Version spiegelt die Realität moderner digitaler Unternehmen wider, indem sie etablierte Praktiken durch die Linse der gemeinsamen Wertschöpfung (Value Co-Creation), durchgängiger Wertströme und digitaler Betriebsmodelle neu definiert.
ITIL® 5 ist explizit darauf ausgerichtet, Komplexität zu bewältigen und KI-gestützte Praktiken zu integrieren, wobei es sich nahtlos an moderne Methoden wie Lean, Agile und DevOps anpasst. Ziel ist ein flexibles, koordiniertes System, das sowohl operative Stabilität als auch schnelle Innovation unterstützt.
Seminardauer: 3 Tage
Dauer: 60 Minuten
Format: 40 Multiple-Choice-Fragen
Bestehensgrenze: 26 von 40 Fragen (65 %)
Ein entscheidender Unterschied zu früher ist, dass die Prüfung nun als „Open Book“-Prüfung durchgeführt wird. Kandidaten dürfen das offizielle Buch während der Prüfung verwenden.
ITIL® 5 baut die Stärken von ITIL 4 aus und schärft sie für die Praxis: Inhalte werden moderner, klarer strukturiert und stärker an digitale Geschäftsmodelle angepasst. Gleichzeitig werden Rollen, Verantwortlichkeiten und Prozesse noch eindeutiger beschrieben, sodass Organisationen ihre Services effizienter steuern und messbar verbessern können. Besonders profitieren Anwender von mehr Praxisnähe, besseren Beispielen und einer stärkeren Ausrichtung auf echte Wertschöpfung statt reiner Prozessdokumentation.
Vielleicht denken Sie: „Nicht noch ein Update. Reichen die Grundlagen von ITIL 4 nicht aus?“ Das ist eine verständliche Reaktion. Doch ITIL® 5 ist mehr als nur ein Versionssprung; es ist eine Antwort auf die Realität, dass Technologie heute nicht mehr nur das Geschäft unterstützt, sondern das Geschäft ist.
Hier sind meine vier Hauptargumente, warum ich Ihnen dringend rate, sich mit dieser Version näher zu befassen:
Der Paradigmenwechsel: Von „ITSM“ zu „Digital Product & Service Management“
Das stärkste Argument für ITIL® 5 ist die fundamentale Verschiebung des Fokus. Frühere Versionen konzentrierten sich stark auf das Verwalten von Services (ITSM). In der modernen Wirtschaft verschwimmen jedoch die Grenzen zwischen einem „Produkt“ (das entwickelt wird) und einem „Service“ (der konsumiert wird).
ITIL® 5 schließt die Lücke zwischen klassischem Produktmanagement und Service Management. Es führt das Konzept des Digital Product and Service Management (DPSM) ein. Warum ist das wichtig für Sie? Weil es das alte „Silo-Denken“ beendet, bei dem Produktmanager Funktionen entwickeln und sie dann über den Zaun zum Servicebetrieb werfen. ITIL® 5 betrachtet das digitale Produkt ganzheitlich – von der ersten Idee bis zum Support. Wenn Sie in einem Unternehmen arbeiten, das digitaler werden will, liefert Ihnen ITIL® 5 endlich die Sprache und die Modelle, um Entwicklung und Betrieb strategisch zu vereinen.
Endlich „AI-Native“: Governance statt Wildwuchs
Wir leben in der Ära der Künstlichen Intelligenz. Viele Frameworks versuchen nachträglich, KI irgendwie „anzuflanschen“. ITIL® 5 hingegen wurde explizit als „komplexitäts- und KI-orientiertes“ Framework entwickelt.
Besonders beeindruckend finde ich das neue ITIL AI Capability Model (das 6C-Modell), das KI-Fähigkeiten in Bereiche wie Creation, Communication und Coordination klassifiziert. Das ist keine Spielerei, sondern ein Werkzeug für echte Governance. Es hilft Ihnen, KI nicht nur als „Tool“ zu sehen, sondern Risiken und Chancen strukturiert zu bewerten. Wenn Sie verstehen wollen, wie man KI sicher in Service-Workflows integriert, ohne die Kontrolle zu verlieren, ist ITIL® 5 derzeit konkurrenzlos.
Das neue Lebenszyklusmodell ist greifbarer
Seien wir ehrlich: Die „Service Value Chain“ aus ITIL® 4 war genial flexibel, aber für manche in der täglichen Anwendung zu abstrakt. ITIL® 5 führt ein explizites Produkt- und Service-Lebenszyklusmodell mit acht klaren Phasen ein: Discover, Design, Acquire, Build, Transition, Operate, Deliver, Support.
Dieses Modell bietet eine viel konkretere Landkarte für den Alltag. Es zeigt genau, wann der Schwerpunkt auf dem Produkt liegt (z. B. beim Bauen) und wann er sich auf den Service verlagert (z. B. beim Support), ohne den Zusammenhang zu verlieren. Für mich macht allein dieses Modell die Anwendung der Theorie in der Praxis deutlich einfacher.
Versöhnung mit DevOps und Agile
Lange Zeit gab es Spannungen zwischen der „stabilen“ ITIL-Welt und der „schnellen“ DevOps-Welt. ITIL® 5 beendet diesen Kulturkampf endgültig. Es integriert moderne Arbeitsweisen wie Lean, Agile und DevOps nicht nur als Randnotiz, sondern als Kernbestandteil des Betriebsmodells. Es zeigt auf, dass Stabilität und Geschwindigkeit (Velocity) keine Gegensätze sind, sondern sich in einem integrierten Modell gegenseitig bedingen. Wer heute in modernen Teams arbeitet, findet in ITIL® 5 endlich ein Framework, das Agilität nicht bremst, sondern durch sinnvolle Struktur (Governance) skalierbar macht.
Fazit
Meine Empfehlung ist klar: Sehen Sie ITIL® 5 nicht als „neue Theorie“, die Sie auswendig lernen müssen, sondern als Betriebssystem für das digitale Zeitalter.
Es ist das Reifegrad-Upgrade, das wir benötigt haben, um von der reinen IT-Verwaltung hin zur gemeinsamen Wertschöpfung durch digitale Produkte zu gelangen. Wer verstehen will, wie man in einer Welt voller KI, Komplexität und hoher Geschwindigkeit nicht nur „die Lichter anlässt“, sondern echten geschäftlichen Wert liefert, kommt an ITIL® 5 nicht vorbei.

GRÜNDER DER AREGULA UG
Trotz der Neuerungen bleibt das fundamentale Gerüst von ITIL® 4 auch in ITIL® 5 erhalten. Die bewährten Konzepte und Modelle bilden weiterhin das Rückgrat des Frameworks. Dazu gehören das Service Value System (SVS) als übergeordnetes Architekturmodell und die Service-Wertschöpfungskette (Service Value Chain) mit ihren sechs Kernaktivitäten (Planung, Verbesserung, Engagement, Design & Transition, Erhalten/Erstellen, Bereitstellung & Support), auch wenn diese nun durch das neue Lebenszyklusmodell detaillierter betrachtet werden.
Ebenso unverändert ist das Konzept der Vier Dimensionen des Produkt- und Service-Managements (Organisationen & Menschen, Informationen & Technologie, Partner & Lieferanten, Wertströme & Prozesse), das sicherstellt, dass ein ganzheitlicher Ansatz verfolgt wird. Auch das Modell der kontinuierlichen Verbesserung (Continual Improvement Model) mit seinen sieben Schritten sowie die Leitprinzipien (Guiding Principles) wurden aus den früheren Versionen übernommen und bleiben zentraler Bestandteil.
Die Leitprinzipien (Guiding Principles) in ITIL® 5 sind universelle Empfehlungen, die einer Organisation in allen Umständen – unabhängig von Änderungen in Zielen oder Strategien – Orientierung bieten. Sie sollen nicht isoliert, sondern kombiniert angewendet werden.
Die 7 Leitprinzipien sind:
Alles, was die Organisation tut, muss direkt oder indirekt einen Wert für die Stakeholder schaffen.
Nicht alles neu erfinden; vorhandene erfolgreiche Praktiken und Ressourcen nutzen und darauf aufbauen.
Arbeit in handhabbare Schritte unterteilen und nach jedem Schritt Feedback einholen, um flexibel zu bleiben.
Silos aufbrechen und Informationen teilen, um Verständnis und Vertrauen zu schaffen.
Verantwortung für den End-to-End-Wert übernehmen und verstehen, wie alle Teile der Organisation zusammenwirken (basierend auf den 4 Dimensionen).
Prozesse auf das Wesentliche reduzieren und alles eliminieren, was keinen Wert schafft.
Ressourcen effizient nutzen und Technologie einsetzen, um manuelle Eingriffe zu minimieren, wo immer es sinnvoll ist.
Im ITIL® 5 Foundation Seminar lernen Teilnehmende die grundlegenden Begriffe, Prinzipien und Modelle des modernen IT Service Managements kennen. Dabei steht im Mittelpunkt, wie mit ITIL® 5 Services so gestaltet, betrieben und verbessert werden, dass sie echten Mehrwert für das Business liefern. Praxisnahe Beispiele, klare Begriffe und ein roter Faden durch das gesamte Service-Lifecycle-Modell erleichtern den Einstieg und schaffen eine solide Basis für weiterführende ITIL®-Zertifizierungen.
Stellt den Wandel von ITSM zu DPSM (Digital Product and Service Management) vor, erläutert das Qualifizierungsschema und beschreibt die Vorteile des Frameworks in der modernen Welt.
Bietet einen Überblick über die vier kritischen Bereiche (Organisation/Menschen, Info/Tech, Partner/Lieferanten, Wertströme/Prozesse), die für einen ganzheitlichen Ansatz notwendig sind.
Untersucht fundamentale Begriffe wie Servicebeziehungen, Serviceangebote sowie die Definitionen von digitalen Produkten und Services.
Beschreibt das neue, detaillierte Lebenszyklusmodell mit seinen acht Phasen (von Discover bis Support).
Erläutert die fünf Komponenten des SVS: Leitprinzipien, Governance, Wertschöpfungskette, Praktiken und kontinuierliche Verbesserung.
Enthält Leitlinien, wie Organisationen die ITIL-Modelle praktisch nutzen können, um ihr Governance- und Managementsystem zu verbessern.
Zeigt Wege nach der Foundation-Stufe auf, einschließlich weiterführender ITIL-Zertifizierungen und der Integration mit anderen Frameworks wie DevOps.
Bieten Zusammenfassungen der 34 Management Practices, Rollenbeschreibungen und einen Überblick über das ITIL-Transformationsmodell.